Fragen, die man mir als Elektroauto-Fahrerin immer wieder stellt

Seit über einem Jahr, also eigentlich seit ich die praktische Führerprüfung im November 2014 bestanden habe, fahre ich ein Elektroauto. Kurz nachdem wir uns als Firmenauto den Renault ZOE gekauft hatten, machte ich eine Probefahrt mit meinem ehemaligen Fahrlehrer. Er war neugierig auf das Fahrerlebnis und bei der Tour sagte er mir, dass ich seine erste Fahrschülerin sei, die sich nach der bestandenen Prüfung ein zeitgemässes Auto gekauft hat. Das verblüffte mich, denn für mich war das keine grosse Sache. Etwas anderes kam für uns gar nicht in Frage.

Im Alltag merkte ich, dass ich in meinem Umfeld schon so etwas wie eine Pionier-Rolle einnahm. Klar, es gibt unterdessen viele Tesla-Fahrer. Elektro-Kleinwagen sind hingegen weniger verbreitet. Alles, was kein Tesla ist, ist wenig bekannt und wird schon gar nicht mit Attributen wie „cool, spritzig, schnell“ assoziiert. In meinem Alltag stellt man mir immer wieder und wieder dieselben Fragen. Manche sind ernst, manche weniger ernst gemeint. Ich beantworte diese Fragen immer wieder gerne – weil das dazu beiträgt, die E-Mobilität bekannter und alltagstauglicher zu machen.

Wie weit kommst du mit deinem Auto? Mehr als 50 Kilometer?

Die Zeiten sind vorbei, dass man mit einer Batterieladung nur wenige Kilometer weit kommt. Und dennoch kann ich diese Frage, wie weit ich fahren kann, nicht mit einer einfachen Zahl beantworten. Der Hersteller Renault gibt für meine ZOE eine Normreichweite von 210 Kilometern an. So viel erreiche ich im Alltag nie, denn die Reichweite hängt von vielen Faktoren ab.
Im Sommer schaffe ich mit einer Ladung durchschnittlich 150 Kilometer. Im Winter sind es nur noch knapp 100. Der Grund liegt aber nicht etwa primär an der Heizung, die ich im Winter brauche, sondern an den nicht beheizten Batterien. Bei tiefen Aussentemperaturen arbeitet der Akku nicht gleich effizient und kann auch nicht gleich gut Strom aufnehmen wie bei höheren Temperaturen. Meine ZOE hat ungefähr dieselbe Wohlfühltemperatur wie ich: Ich fühle mich am wohlsten, wenn es draussen zwischen 18 und 23 Grad warm ist.

Wie schnell kannst du maximal fahren, 100 km/h?

Meine ZOE sieht winzig und unscheinbar aus, kann es aber gut mit den Grossen aufnehmen. 120 km/h auf der Autobahn schafft sie locker (und wesentlich schneller fahre ich als brave Neulenkerin sowieso nicht ;)). Dennoch kann es je nach geplanter Strecke sein, dass ich auch mal nur mit 110 km/h fahre, weil ich durch eine moderate Geschwindigkeit mehr Reichweite gewinne.

Brauchst du eine Steckdose? Ein Verlängerungskabel?

Eine gewöhnliche Steckdose reicht höchstens mal für den Notfall. Erstens würde die Ladung viel zu lange dauern, zweitens fliesst so viel Strom, dass es zu einer Überhitzung kommen kann. Zuletzt wäre Laden an einer normalen Steckdose auch wenig effizient, da sehr hohe Blindströme entstehen.

Wie lange dauert es, bis der Akku voll geladen ist?

Wie schnell der Akku voll ist, hängt von der Ladeleistung der Station ab. Deshalb gilt: Augen auf bei der Stationssuche. Besonders schnell geht es an 43kW-Stationen. An einer 43kW-Station ist der Akku von ZOE innert weniger als einer Stunde geladen, bei 22 kW dauert es etwa eineinhalb Stunden. An unserer Wallbox in der Tiefgarage dauert die Ladung circa drei Stunden, was für uns unproblematisch ist, da wir vor allem nachts laden.

Was zahlst du pro Ladung?

Lade ich mein Elektroauto zu Hause auf, zahle ich ungefähr 2.50 Franken pro Ladung. Wir könnten auch weniger zahlen, haben uns aber für den teureren Strommix „naturstrom star“ entschieden.
Wenn ich unterwegs lade, zahle ich in der Regel nichts. Das hat den Hintergrund, dass die Stationen oft von Gemeinden zur Verfügung gestellt werden und diese die Elektromobilität mit einem solchen Angebot fördern wollen.
Viele Stationen sind aber bereits RFID-tauglich. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Laden künftig etwas kosten wird. Dies wird umso wichtiger, je mehr Elektroautos unterwegs sind.

Du hast aber schon auch noch einen normalen Tank?

Nein, wir gehen mit unserer ZOE keine Kompromisse ein. Der Renault ZOE ist ein reines Elektroauto.

Hast du keine Angst, irgendwo stehen zu bleiben?

Ich habe schon mehrmals die Grenzen ausgelotet. Letzten Frühling fuhr ich beispielsweise über 180 Kilometer mit einer Ladung von Celerina bis Goldach. Richtig Angst habe ich aber nie, sondern passe halt meine Fahrweise an, wenn es knapp wird. Wichtig ist eine Vorausplanung. Ich kann also nicht einfach einsteigen und losfahren, ohne mir zu überlegen, wie voll der Akku ist, wie weit ich damit komme und wo ich am effizientesten zwischenladen kann.
Mit der Batteriemiete, die wir bei Renault abgeschlossen haben, ist zudem ein Pannendienst inbegriffen. Das heisst: Geht uns unterwegs der Strom aus, bringt uns der Pannendienst von Renault Z.E.-Assistance zu einer Ladestation nach Wahl. Die einzige Bedingung ist, dass sich diese im Umkreis von maximal 80 Kilometern befindet. Von diesem Dienst haben wir noch nie Gebrauch gemacht – es ist aber gut zu wissen, dass man für den Notfall abgesichert ist.

4 Kommentare
  1. Letztes Jahr kaufte ich zwei neue Fahrzeuge für meine Firma. Ich habe mich für zwei rein Elektroautos entschieden. Das Fahrgefühl ist einfach top. Die Geschäftsfahrten werden nun zur entspannung.

  2. Super Thinh-Lay, dass Du einmal ein paar Fragen klarstellst. Gratuliere. Ich habe zwar neben dem Zoe noch einen Diesel. Aber ich habe seit zwei Jahren festgestellt, dass ich mehr als 90% der Fahrten problemlos mit dem Zoe machen kann.
    Als Zweitautos und im Stadtverkehr sollten eigentlich bald nur noch Elektroautos zugelassen werden.

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar, David. Wir hatten vor einem halben Jahr auch noch einen Benziner. Das führte aber dazu, dass mein Mann und ich immer wieder darüber diskutierten, wer welches Auto nimmt bzw. wer mit dem Elektroflitzer fahren und wer den Benziner nehmen muss. Das Problem lösten wir damit, dass wir nun zwei ZOEs haben. Jetzt gilt es nur noch zu schauen, welches der beiden Autos geladen ist 🙂

  3. Hallo Thinih-Lay
    Gratulation für dein technisches Verständnis.
    Ich fahre seid 2 Jahren einen BMW i3. Ich bin sehr zufrieden, aber ohne Zweitwagen mit mehr Reichweite geht es bei uns noch nicht.
    Was ich an der Geschichte Elektromobolität schade finde ist die Tatsache, dass Automobilhersteller gar kein Interesse haben reine Elektrofahrzeuge zu bauen.
    Dieser Film auf YouTube ist sehenswert und der Beleg
    https://www.youtube.com/watch?v=IfRGtten1nM
    In die gleiche Kategorie fällt in der Schweiz die Strompreispolitik.
    Bei meinem BMW Händler soll ich für 30 Min. Schnelladen 10.- Sfr. Bezahlen. Dies grenzt an Wucher.
    Trotzdem bin ich ein Überzeugter E-Autofahrer.

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