Ladestationen mit dem Plus

Kürzlich war ich in der Tiefgarage einer Bank, die zwei Ladestationen für Kundinnen und Kunden bereitstellt. Gemäss Anweisung an der Station lässt sich diese per SMS oder mithilfe einer RFID-Kundenkarte freischalten. Mein Problem: In der Garage habe ich kein Netz und eine Kundenkarte besitze ich auch nicht. Also frage ich ein paar Tage nach diesem Erlebnis bei meinem Kundenberater nach. Nach mehrmaligem Rückfragen erhält er von der für die Ladesäulen zuständige Person folgende Rückmeldung: Aktuell wird nur die Swisscom als Netzanbieter unterstützt und Karten gibt es lediglich für Dauermieter der Garage.

Eine Steckdose ist noch keine Ladestation

Als Kundin der Bank fühle ich mich veräppelt. Obschon es sich um eine öffentlich zugängliche Tiefgarage handelt, sind die Ladestationen nur für eine begrenzte Zielgruppe nutzbar. Die Bank verfehlt damit ihr Ziel, als verantwortungsbewusstes und fortschrittliches Unternehmen in Erscheinung zu treten. Etwas Ähnliches habe ich auch schon in der Parkgarage des Säntisparks in Abtwil erlebt. Dort gibt es seit einiger Zeit deutlich gekennzeichnete Parkplätze für Elektrofahrzeuge. Anstelle von funktionierenden Ladestationen sind aber nur drei normale Haushaltssteckdosen anzutreffen. Gut gemeint und doch völlig daneben.

Was eine gute Station bieten muss

Dabei ginge es doch auch anders. An strategisch günstiger Lage mit zusätzlichen Angeboten profitieren sowohl Fahrer, als auch Betreiber einer Ladestation. Nach zwei Jahren mit dem Elektroauto habe ich einige Lieblingsstationen, weil sie meine Erwartungen erfüllen.

Diese Erwartungen stelle ich an eine Ladestation, damit ich sie gerne nutze:

  • Bezahlung: Einfach nutzbares Bezahlsystem. Am liebsten sind mir Lösungen mit Apps oder Kreditkartenzahlung. Wir haben zwei Elektroautos, teilweise aber nur eine RFID-Karte. Und meist befindet sich die benötigte Karte im falschen Auto.
  • Lage: Meine durchschnittliche Reichweite mit einer Ladung liegt bei knapp 100 Kilometern auf der Autobahn. Fahre ich nach Zürich, muss ich unterwegs laden, damit ich nicht auf die Spassbremse treten muss und nur noch 96 km/h im Eco-Mode fahren kann. Die optimale Ladestation befindet sich deshalb in unmittelbarer Nähe zur Autobahn und auf Hauptverkehrsachsen.
  • Ausweichmöglichkeit: Sollte eine Station besetzt sein, bin ich froh um nahe gelegene Alternativen. Noch sympathischer sind mir Kombi-Ladesäulen, an denen mehrere Fahrzeuge mit unterschiedlichen Steckertypen gleichzeitig laden können.
  • Ladeleistung: Wenn ich unterwegs einen Ladestopp einlege, will ich nicht mehr als eine halbe Stunde aufwenden. Bei einer 43kW-Station reicht bereits eine Viertelstunde zum Laden, bei 22 oder 11 kW dauert es doppelt oder viermal so lange.
  • Kaffee & Shopping: Die Wartezeit nutze ich gerne, um einen Kaffee zu trinken oder einzukaufen. So kann ich mir die Beine vertreten, eine Pause einlegen und kleine Einkäufe erledigen.
  • Kennzeichnung: Der Feind aller Elektroautofahrer sind Fahrer, die einen Ladeplatz mit einem Benziner blockieren. Es muss daher klar signalisiert sein, dass das Parkieren auf diesen Plätzen den Elektroauto-Fahrern vorbehalten ist.

Ganz ähnlich sieht es Thomas Osterwalder, Bereichsleiter Tankstellen von AVIA Osterwalder. Seit einem Jahr gibt es an der AVIA-Shoptankstelle in Chur eine swisscharge.ch-Ladestation. Bei der Neueröffnung dieser Tankstelle war es für Osterwalder wichtig, eine Vielzahl von Dienstleistungen anbieten zu können. Neben dem Treibstoffangebot finden Besucher einen Shop, ein Bistro, eine Waschstrasse – und eben auch eine Elektroladestation.

Attraktives Rundum-Angebot

Zwar halte sich die Nutzung mit circa fünf Ladungen pro Tag in bescheidenem Ausmass – doch gibt es von den Nutzerinnen und Nutzern durchwegs positive Rückmeldungen. Die Station ist gut auffindbar und dank dem Rundum-Angebot attraktiv. Aufgrund der vergleichsweise geringen Anzahl Nutzer lässt sich keine Mehrfrequenz des Bistros oder Shops feststellen. Dennoch glaubt Thomas Osterwalder fest an den Mehrwert, weil jede zusätzliche Dienstleistung die Bekanntheit der Tankstelle und somit auch des Unternehmens steigert.

Ob weitere Tankstellen mit einer Ladestation ergänzt werden sollen, hängt von verschiedenen Faktoren und Überlegungen ab. „Man muss sich gut überlegen, wo eine Station sinnvoll ist und wo auch die benötigte Infrastruktur vorhanden ist“, erklärt Thomas Osterwalder. Es brauche einen Standort mit Mehrdienstleistungen, wie beispielweise einem Bistro, einer Café-Bar oder W-LAN, damit Fahrer die Ladezeit sinnvoll nutzen können.

Wie sind eure Erfahrungen, wenn ihr elektrisch unterwegs seid? Welches Plus erleichtert euren Alltag im Elektroauto?

2 Kommentare
  1. Unterwegs sind für mich hauptsächlich DC Ladestationen interessant (ausser bei längerem Aufenthalt). Wie die allermeisten Elektroautomodelle ist auch meines nicht in der Lage an AC schnell zu laden. Da ich jedoch an meine allermeisten Ziele mit einer Akkuladung ankomme, ist das nicht weiter tragisch.

  2. Besonders ärgerlich sind jene Garagen mit eigener Ladestation, die dann mit eigenen Fahrzeugen die Ladeplätze blockieren, am liebsten übers ganze Wochenende….!

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