Was, wenn wir alle elektrisch fahren würden?

Elektrofahrzeugen gehört die Zukunft, und damit der elektrischen Energie der Vorrang vor den fossilen Treibstoffen. Was vor wenigen Jahren eine These war, wird zunehmend zu einer Einsicht. Damit stellt sich aber auch die Frage nach der Verfügbarkeit der elektrischen Energie für die Fahrzeuge. Viel wurde und wird zu diesem Thema geschrieben und gesagt. Grund genug, mit Fakten der Sache auf den Grund zu gehen.

Was wäre, wenn alle Autos elektrisch fahren würden?

In der Schweiz fährt ein Auto im Durchschnitt 40 Kilometer weit pro Tag. Und für diese Strecke braucht ein Auto eine elektrische Energie von 6,4 kWh oder etwa 2‘300 kWh pro Jahr. Aber wie viel ist das? Das entspricht der Energiemenge welche eine Photovoltaik-Anlage mit der Fläche von 15m2 erzeugt. Das ist nicht viel mehr als ein Parkfeld! Wenn nun alle 5 Millionen Autos in der Schweiz elektrisch fahren würden, müsste also eine Fläche von 75km2 mit Photovoltaik-Anlagen bebaut werden. In der Schweiz gibt es mehr als das Doppelte davon in Form geeigneter Dächer und Fassaden. So weit, so einfach.

Das Tag-Nacht Problem

Photovoltaikanlagen produzieren auch Energie, wenn der Himmel bedeckt ist. Weniger zwar, aber immerhin. Aber nur während dem Tag und nicht in der Nacht. Darum sollten Fahrzeuge zunehmend während dem Tag geladen werden, also am Arbeitsplatz, beim Einkaufen, im Freibad oder auf dem Golfplatz. Das ist eine gute Lösung um überschüssige Energie zu puffern. Und bidirektionales Laden ermöglicht es, die überschüssige Energie aus dem Speicher der Autobatterie nachts für den Betrieb des Wohnhauses zu nutzen. Deshalb braucht es Lademöglichkeiten an allen Orten, wo Fahrzeuge längere Zeit stehen.

Sommer-Winter

Der Winter ist eine harte Zeit – auch für die Elektromobilität. Denn die eingestrahlte Sonnenenergie ist viel kleiner und damit die Produktion der PV-Anlagen. Der Sommer-Winter-Shift ist deshalb eine grosse Herausforderung. Die «Power to Gas» Technologie ist eine mögliche Antwort. Mit der im Sommer anfallenden Überschussenergie wird durch Elektrolyse Wasser in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff zerlegt. Der Wasserstoff wird gespeichert oder kann durch Methanisierung ins Gasnetz eingespeist werden. Im Winter wird aus dem Gasvorrat wieder elektrische Energie erzeugt. Dieser Prozess ist CO2-neutral.

Was würde der Umstieg kosten?

Stellen wir uns vor, wir würden in der Schweiz tatsächlich Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 11,5 GW bauen, so würde uns das heute ca. 17 Mia sFr kosten, in der Tendenz sinkend. Damit wären wir komplett eigenversorgt und CO2-neutral unterwegs. Heute kaufen wir jährlich für ca. 5 Mia sFr. Treibstoffe für unsere Autos. Der Payback dieses Umstiegs ist also in wenig als 4 Jahren zu schaffen. Eine grandiose Vorstellung, oder?

2 Kommentare
  1. Gratulation zu diesem Artikel. Wenn die Autofahrer so schnell auf Elektroautos umsteigen würden, die dies die Velofahrer mit der Umstellung auf die E-Bikes machen, wäre unserer Umwelt geholfen und die Abhängigkeit von Erdölprodukten aus vielfach „fragwürdigen“ Produktionsländern erheblich vermindert. Dieses Ziel müsste ja auch unsere wählerstärkste Volkpartei endlich auf die Fahne schreiben.

  2. Super Artikel, eine andere Möglichkeit der Energie Zwischenspeicherung wären Flusszelle, wie die von Nano Flowcell. In Deutschland gibt es bereits einen Hersteller, der ein System mit einer Photovoltaik und Flusscellenbatterien zur Speicherung für Zuhause anbietet.

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